Dr. Martina Fausch

Klinische Sexologie

(Aus Clinical Sexology, Howard J. Ruppel, Ph.D., 2007, DACS & the American College of Sexologists)

Klinische Sexualwissenschaftler beschäftigen sich mit dem menschlichen sexuellen Verhalten und mit den daraus resultierenden Gefühlen. Die zeitgenössische klinische Sexologie folgt einer Tradition, die in den frühen Jahren des 20. Jahrhundert von Pionieren der Sexologie begonnen wurde ( Ivan Block, Havelock Ellis, Magnus Hischfeld, Albert Moll und andere). Diese Autoren definierten eindeutig das sexuelle Verhalten als ein einzigartiges und gültiges Anliegen für wissenschaftliche Studien, klinische Aufmerksamkeit und soziale Maßnahmen.

Die klinische Sexualität basiert auf einem handlungsorientierten Ansatz, der das Wachstum und das Behandeln sexueller Aspekte erleichtert. Geschätzte 80-90% der Fragen im Bezug auf sexuelle Funktionen und Freuden können von einem gut ausgebildeten und geschickten Sexualwissenschaftler in einer professionellen Beratung angesprochen und beantwortet werden. Eine intensive Therapie kann für das Gleichgewicht sexueller Probleme erforderlich sein. Dies kann durch eine Überweisung an eine Fachperson mit spezialisierter Ausbildung in verwandten sexuellen Störungen geschehen

Klinische Sexualwissenschaftler sind in ihrer Behandlung unvoreingenommen. Insbesondere bei Fragen im Zusammenhang mit Selbstachtung, marginalen Verhaltensweisen und pädagogischen Interventionen wird eine unvoreingenommene Behandlung erfolgreich unterstützt. Viele Wissenschaftler, die in den traditionelleren Disziplinen Medizin, Pflege und Psychologie mit diagnostischen Handbüchern und Behandlungsprotokollen geschult sind, können diesen Aspekt des sexologischen Ansatzes als problematisch empfinden.

Klinische Sexualwissenschaftler haben eine positive Einstellung zum Sexualverhalten. Sexologen glauben, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Sexualität ein wichtiger Aspekt der individuellen Persönlichkeit eines Menschen ist. Die nordamerikanische Kultur wurde zum grössten Teil als erotophob (Angst vor Erotik) und sexuell unterdrückt bezeichnet. Diese Sex-negative kulturelle Umgebung stellt die klinischen Sexualwissenschaftler vor eine grosse Herausforderung und Mission: Das Erreichen der sexuellen Gesundheit unter den Menschen.

Beschimpfe und tadle auf jeden Fall nicht diejenigen, die sich dem Geschlechtsgenuss hingeben. Erzähle auch nicht überall, dass du dies nicht tust. Epiktetos (um 50 – 138 n.Chr.)